{"id":4034,"date":"2014-12-30T11:59:46","date_gmt":"2014-12-30T11:59:46","guid":{"rendered":"http:\/\/erich-seidel.de\/wp\/?page_id=4034"},"modified":"2025-01-27T18:26:14","modified_gmt":"2025-01-27T18:26:14","slug":"hintergruende","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.erich-seidel.de\/?page_id=4034","title":{"rendered":"Hintergr\u00fcnde"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-center fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1248px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-blend:overlay;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:0px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><\/div><div class=\"fusion-title title fusion-title-1 fusion-sep-none fusion-title-text fusion-title-size-two\" style=\"--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;\"><h2 class=\"fusion-title-heading title-heading-left\" style=\"margin:0;\">Hintergr\u00fcnde<\/h2><\/div>\n<div class=\"fusion-tabs fusion-tabs-1 classic vertical-tabs icon-position-left mobile-mode-accordion\" style=\"--awb-title-border-radius-top-left:0px;--awb-title-border-radius-top-right:0px;--awb-title-border-radius-bottom-right:0px;--awb-title-border-radius-bottom-left:0px;--awb-alignment:start;--awb-inactive-color:var(--awb-color2);--awb-background-color:var(--awb-color1);--awb-border-color:var(--awb-color3);--awb-active-border-color:var(--awb-color6);\"><div class=\"nav\"><ul class=\"nav-tabs\" role=\"tablist\" aria-orientation=\"vertical\"><li class=\"active\" role=\"presentation\"><a class=\"tab-link\" data-toggle=\"tab\" role=\"tab\" aria-controls=\"tab-5f50e2c774136c4694a\" aria-selected=\"true\" tabindex=\"0\" id=\"fusion-tab-5f50e2c774136c4694a\" href=\"#tab-5f50e2c774136c4694a\"><h4 class=\"fusion-tab-heading\">Ordnungen in der Fl\u00e4che des Bildes<\/h4><\/a><\/li><li  role=\"presentation\"><a class=\"tab-link\" data-toggle=\"tab\" role=\"tab\" aria-controls=\"tab-8477b9f650331886a14\" aria-selected=\"false\" tabindex=\"-1\" id=\"fusion-tab-8477b9f650331886a14\" href=\"#tab-8477b9f650331886a14\"><h4 class=\"fusion-tab-heading\">Karoline Mueller-Stahl<\/h4><\/a><\/li><li  role=\"presentation\"><a class=\"tab-link\" data-toggle=\"tab\" role=\"tab\" aria-controls=\"tab-d279c8fcf07027c7734\" aria-selected=\"false\" tabindex=\"-1\" id=\"fusion-tab-d279c8fcf07027c7734\" href=\"#tab-d279c8fcf07027c7734\"><h4 class=\"fusion-tab-heading\">Prof. Dr. Sumowski<\/h4><\/a><\/li><\/ul><\/div><div class=\"tab-content\"><div class=\"nav fusion-mobile-tab-nav\"><ul class=\"nav-tabs\" role=\"tablist\" aria-orientation=\"vertical\"><li class=\"active\" role=\"presentation\"><a class=\"tab-link\" data-toggle=\"tab\" role=\"tab\" aria-controls=\"tab-5f50e2c774136c4694a\" aria-selected=\"true\" tabindex=\"0\" id=\"mobile-fusion-tab-5f50e2c774136c4694a\" href=\"#tab-5f50e2c774136c4694a\"><h4 class=\"fusion-tab-heading\">Ordnungen in der Fl\u00e4che des Bildes<\/h4><\/a><\/li><\/ul><\/div><div class=\"tab-pane fade fusion-clearfix in active\" role=\"tabpanel\" tabindex=\"0\" aria-labelledby=\"fusion-tab-5f50e2c774136c4694a\" id=\"tab-5f50e2c774136c4694a\">\n<p><strong>Ordnungen in der Fl\u00e4che des Bildes <\/strong><br \/>\nvon Erich Seidel<br \/>\nReferat zur Generalversammlung des Kunstvereins Konstanz am 8.3.1966<\/p>\n<p>Verehrte liebe Freunde der bildenden Kunst !<br \/>\nIch bin mir durchaus bewu\u00dft, dass mein Thema nicht auszusch\u00f6pfen ist. Ich kann einerseits nur Allgemeing\u00fcltiges aussagen, m\u00f6chte jedoch wenigstens in die Bedeutung der Symbolkraft, bzw der Ordnungskraft der Linien und geometrischen Fl\u00e4chen :f\u00fcr den Beginn des k\u00fcnstlerischen Gestaltungsprozesses ein wenig hineinleuchten.<br \/>\nF\u00fchren wird mich unter Anderem die Kunstlehre AdolfH\u00f6lzels, die uns durch einige seiner Sch\u00fcler nacherz\u00e4hlend oder weiterbildend erhalten wurde.<br \/>\nSeine bedeutendsten Sch\u00fcler sind Paul Klee, Oskar Schlemmer und der Kunsthistoriker Johannes Itten.<br \/>\nDie Erringung k\u00fcnstlerischer Ma\u00dfst\u00e4be und k\u00fcnstlerischen Qualit\u00e4tsempfindens ist in unserer Zeit sehr schwierig geworden. Umgeben von geistigen Unsicherheiten und bildk\u00fcnstlerischen Experimenten, ja Fragw\u00fcrdigkeiten kann uns zun\u00e4chst nur Besinnung helfen.<br \/>\nDen bildenden K\u00fcnstler regen oft reine Augenerlebnisse zum Schaffen eines Bildes an, oder es zwingen ihn innere, seelische und geistige Situationen dazu. Er wei\u00df: Die Welt des Bildes ist eine andere, als die wirkliche Welt, und die Lebensbedingungen seiner Bildgesch\u00f6pfe sind andere als die der wirklichen Gesch\u00f6pfe. Bildhafte Darstellung ist ja die \u00dcbersetzung der dreidimensionalen Welt der Erscheinungen auf die zweidimensionale Bildfl\u00e4che. Auf ihr geschieht Umformung, Umwandlung, Verwandlung; denn der Maler kann nur die Zeichen f\u00fcr etwas auf die Malfl\u00e4che setzen, und diese gilt es zu finden und zu erfinden. Die Zeichen m\u00fcssen ausdrucksvoll sein und Energien ausstrahlen. Schon ein Farbpunkt, eine zwingende Linienf\u00fchrung, die einfachste mehr oder weniger geometrische Figur strahlt im Medium des Bildes aus, bekommt Bedeutung, ja im gl\u00fccklichen Fall sogar symbolische Bedeutung.<br \/>\nBei Paul Klee zum Beispiel trotzt eine aufsteigende Linie der Schwerkraft und ist ein Symbol menschlicher Sehnsucht. Ein Kreis ist in sich geschlossen, eine endlose Bewegung, ist Symbol des Ewigen. Die Energien der Zeichen strahlen aus. Es entwickeln sich innerhalb der Bildbegrenzung Entsprechungen und Gegens\u00e4tze, Spannungen und Entspannungen. Das Bild beginnt sein eigenes Leben. Dennoch k\u00f6nnen wir noch nicht von einer Bildsch\u00f6pfung sprechen. Erst wenn der Maler oder Zeichner vom Beginn des Gestaltungsprozesses an und in jedem Stadium der Bildwerdung seine Zeichen auf der Fl\u00e4che des Bildes ordnet, entsteht eine Sch\u00f6pfung. Das Prinzip der Ordnung, das wir allenthalben als Gesetz in der Natur erkennen, ist auch f\u00fcr die Bildwerdung oberstes Gesetz.<br \/>\nDer K\u00fcnstler denkt und ordnet im Sinne seiner vier Ausdruckmittel: Linie, Fl\u00e4che, Hell-Dunkel und Farbe. Je einfacher er mit ihnen arbeitet, umso gesteigerter spricht sch\u00f6pferischer Geist aus ihnen. Dabei ist das Auge des Malers Mitsch\u00f6pfer am Kunstwerk. Es selbst lernt nichts vom Verstande, sondern dieser mu\u00df von ihm lernen. Der \u00e4u\u00dferliche Eindruck, den es uns vermittelt, geht in eine seelische Empfindung \u00fcber und kann sich bis ins \u00dcbersinnliche steigern. Wird dem Auge irgend ein Eindruck, irgend ein Anreiz geboten, so reagiert es sofort und wird selbstsch\u00f6pferisch t\u00e4tig. Ist es unbefriedigt durch das, was ihm geboten wird, so mu\u00df es einen Ausgleich suchen, ihn zur Not selbst hervorbringen. Es kann nicht anders; denn es ist ihm angeboren, da\u00df es handeln mu\u00df um Harmonie, Einklang mit sich selbst zu schaffen.<br \/>\nDer K\u00fcnstler, der tiefer in die Geheimnisse der Wechselwirkung zwischen dem Auge und den dynamischen Kr\u00e4ften der Linien und Formen, der hell-dunkel-Wirkungen und der Farben eindringt, erf\u00fchlt und begreift nur durch st\u00e4ndige Arbeit die Eigenschaften dieser Mittel.<br \/>\nWie beim Kontrapunkt in der Musik&#8220; punctus contra punctum&#8220;, das hei\u00dft Note gegen Note gesetzt wird, so geschieht dies auf der Bildfl\u00e4che mit Linie und Gegenlinie Form und Gegenform, Licht und Dunkelheit, Farbe und Gegenfarbe, Zahl und Ma\u00df. Jedoch bedeutet ausschlie\u00dflich geschickte oder gar raffinierte Verwendung der Mittel ohne Geist und Gef\u00fchl den Verfall der Kunst. Braque sagt: &#8222;Wenn man den Kontakt mit der Natur verliert, wird man unweigerlich in der Dekoration enden.&#8220;<br \/>\nAdolf H\u00f6lzel fand auf der Suche nach verlorengegangenen Gestaltungs und Harmoniegesetzen: &#8222;Alle k\u00fcnstlerische Arbeit ist das Erschaffen und Wiederausgleichen von Gegens\u00e4tzen. Das Endziel ist Harmonie.&#8220;<br \/>\nIm Leben und in der Kunst gibt es keine Wirkung ohne Gegensatz. Denken wir nur an Tag und Nacht, Winter und Sommer, Alltag und Festtag, Jugend und Alter, Gelingen und Mi\u00dflingen, Zuneigung und Abneigung.<br \/>\nWenn der K\u00fcnstler Gegens\u00e4tze geschaffen hat, mu\u00df er wieder eine Vermittlung finden, einen Ausgleich, etwas Gemeinsames, das sie mit dem Ganzen verbindet. Als Ausgleich kann ein drittes Motiv dienen, das mit dem ersten verwandt ist, so wie etwa der Rhombus mit dem Quadrat und dem Dreieck. Zwei harte Scharz-wei\u00df- T\u00f6ne k\u00f6nnen durch einen grauen Mittelton, zwei dissonierende Farben durch eine verwandte zur Harmonie gebracht werden. Kontraste liegen weit voneinander entfernt. Der Ausgleich liegt zwischen den Kontrasten.<br \/>\nJe mehr Gegens\u00e4tze ein Bild aufweist, desto mehr Reize gehen von ihm aus. Ist die gro\u00dfe Hauptwirkung eines Bildes vorhanden, so kann der K\u00fcnstler seine Arbeit durch neu hinzugef\u00fcgte Kontraste unendlich bereichern. Ein vorwiegend symmetrischer Entwurf zum Beispiel kann durch einige Abweichungen von der Symmetrie einen ganz neuen Reiz erhalten. Umgekehrt kann ein freier Entwurf mit vielen willk\u00fcrlichen Detailformen durch Zusammenfassung in wenige gro\u00dfe geometrische Hauptformen vereinfacht und gekl\u00e4rt werden. Das Erfinden neuer Gegens\u00e4tze befruchtet die Fantasie. Das Wichtigste aber ist, da\u00df zu jedem Gegensatz sogleich der Ausgleich gefunden werde, damit alles Einzelne sich wieder zum Ganzen finde.<br \/>\nDa die zweidimensionale Bildfl\u00e4che ein geometrisches Gebilde darstellt, erhalten logischerweise die Grund- oder Urformen der geometrischen Fl\u00e4chengebilde: Kreis, Quadrat und Dreieck f\u00fcr den Bildbau (man spricht auch von Bildarchitektur), also f\u00fcr die Komposition besondere Bedeutung. Sie sind die einfachsten Formen und dazu von absoluter Gleichm\u00e4\u00dfigkeit. Diese Urformen im Kunstwerk angewandt, lassen die Unruhe und Verworrenheit des Alltags vergessen. Das menschliche Auge und Gem\u00fct werden unendlich begl\u00fcckt, wenn sie im Kunstwerk strenge, gro\u00dfe, einfache und vollkommen gleichm\u00e4\u00dfige Grundformen wiederfinden. Der Betrachter ahnt, da\u00df es eine h\u00f6here Weltordnung, eine strenge unumg\u00e4ngliche Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit gibt, und da\u00df ein Sinn hinter allem Schein steht. So wirkt der Anblick des Kreises vollkommen harmonisch und befriedigt das Auge mehr als jede andere Form. Er ist ohne Anfang und Ende in sich selbst immer weiter flutend das Sinnbild der Ewigkeit. Er erweckt unz\u00e4hlige Vorstellungen, z.B. die Erinnerung an Sonne, Mond, Gestirne, Form vieler Blumen und Fr\u00fcchte und an den Kreislauf des Blutes und des Lebens. Die absolute Gleichm\u00e4\u00dfigkeit des Quadrates kommt unserem Verlangen nach Symmetrie und Ordnung am meisten entgegen. Die Zahl 4, die streng und eindringlich aus seinen Seiten und Ecken spricht, erweckt im menschlichen Unterbewu\u00dftsein viele gro\u00dfe Vorstellungen: 4 Himmelsrichtungen, 4 Tages-, 4 Jahreszeiten, 4 Mondphasen, Goethe nennt die 4 die &#8222;fa\u00dflichste Zahl&#8220; und spricht von der in ihr enthaltenen&#8220; doppelten Symmetrie &#8222;.Im Aufbau des Bildes wirkt das Quadrat immer ruhig, gro\u00df und bedeutend. Das gleichseitige Dreieck scheint die Verbindung von Himmel und Erde anzudeuten. Aus seinen Seiten und Ecken spricht m\u00e4chtig die Dreizahl, die tief mit der Natur verwoben und in den gr\u00f6\u00dften Symbolen der Menschheit lebendig ist. Lassen Sie uns meine sehr verehrten Damen und Herren doch einmal nachpr\u00fcfen, wie einfach man ein starkes Augenerlebnis darstellen k\u00f6nnte, vielleicht das Erlebnis der Pyramide von Gizeh bei Sonnenauf- oder Untergang. Ein St\u00fcckchen Papier und ein Bleistift gen\u00fcgen, um ein kleines Kunstwerk zu schaffen, und es ist dabei gleichg\u00fcltig, wie man technisch zu Werke geht, ob man graphisch-linear, graphisch- fl\u00e4chig oder tonig-malerisch mit Hell-dunkel Wirkung zeichnet. In jedem Falle erreicht man Monumentalit\u00e4t, weil sie allein schon durch die Vereinigung zweier kontrastierender Grundformen der Geometrie gegeben ist. Die Vereinigung der drei Grundformen, sich verschr\u00e4nkend und einander durchdringend bedeutet eine reiche Grundlage f\u00fcr den Bildaufbau. In der Vereinigung von Viereck und Dreieck tritt die bedeutende Siebenzahl in Erscheinung, verbunden mit der Unme\u00dfbarkeit des Kreises. Die Vereinigung der drei Grundformen erf\u00fcllt bereits eine erste Bedingung der Kunst: Sie enth\u00e4lt zugleich Kontrast und Harmonie. Ich m\u00f6chte dies an &#8222;D\u00fcrers Titelblatt zum Marienleben&#8220; demonstrieren und zeigen, welche Vollendung k\u00fcnstlerischer Gestaltung allein schon in der Bildkomposition zum Ausdruck kommen kann. Es handelt sich jetzt um die bildnerische Gestaltung eines inneren seelisch-geistigen Verhaltens des K\u00fcnstlers.<\/p>\n<p>Albrecht D\u00fcrer w\u00e4hlt im Titelblatt seiner Holzschnittfolge des Marienlebens nur die drei geometrischen Grundformen. In die Regelm\u00e4\u00dfigkeit des Quadrats zeichnet er die des Kreises und und in sie wiederum die des gleichseitigen Dreiecks. Die Hauptfigurengruppe seines Themas, Maria mit dem Kind, ordnet er in die Bildmitte, der Kreis wird mit der symboltr\u00e4chtigen Figur der Mondsichel verbunden, und die freien Fl\u00e4chen des Quadrates werden mit Sternen und himmlischen Strahlen ausgef\u00fcllt. Diese Bildordnung wirkt klar, sicher, unab\u00e4nderlich und beruhigend sie ist statisch. Chagall &#8222;Radfahrer im Zirkus&#8220;. Die Zeichnung dagegen ist dynamisch, eine Bildordnung die Chagall h\u00e4ufig, wenn auch immer variiert anwendet, um das Auge des Betrachters von einem symbolisch gemeinten Bildzeichen seiner Traumbilder oder Bildtr\u00e4ume zum anderen wandern zu lassen. Jedes Bild verlangt eben jeweils eine seinem Thema ganz entsprechende Komposition. Chagall will mit dieser Anordnung die K\u00fchnheit zirzensischer Leistung illustrieren. In seinem Bilde &#8222;Radfahrer im Zirkus&#8220; von 1957 wird unser Auge durch eine k\u00fchne parabolische Kurve geradezu hineingerissen in das durch einen Halbkreis dargestellte, einzig auf der Grundlinie des Bildes festverankerte Rund der Zirkusmanege. Es kann unsere Augenbewegung jedoch nicht stoppen, denn es selbst l\u00f6st sich in den Kreissegmenten der Zuschauerr\u00e4nge auf, wie bei einem Steinwurf die Wasserwellen nach dem Seeufer zu verebben. Wir sind der Rasanz unserer Artisten verfallen, wenn sie im Kreise um sich jagen. Die Turbulenz ihrer Leistungen wird durch die choreographische Figur des gleichseitigen Dreiecks gekr\u00f6nt, das selbstverst\u00e4ndlich nur durch schwingende Kreissegmente gefahren werden kann. Erst im Oval der geometrischen Form oben rechts scheinen sich die tollen Fahrer und scheint sich unser Auge beruhigen zu d\u00fcrfen. ( Bedeutung imagin\u00e4re Bild-Linien!) Von den reichen M\u00f6glichkeiten kompositorischer Bildordnung m\u00f6chte ich noch eine der einfachsten vorstellen. Sie beruht auf der Vereinigung von Rechteck und Quadrat, ist zu allen Zeiten angewendet worden, und Picasso verwendet sie ebenso wie Klee oder etwa der Engl\u00e4nder Sutherland, wenn er seine&#8220; Signale des Grauens &#8220; gestaltete. Die Schmalseite des rechteckigen Bildes wir dabei zur Basis eines gro\u00dfen Quadrates gemacht, oft ist dies Bildordnung in so feiner und verh\u00fcllender Art vorgetragen, da\u00df keine Konstruktionslinien mehr zu sehen sind. Trotzdem empfindet das Auge die deutlich unterhalb der Bildform und f\u00fchlt sich angeregt, die unbewu\u00dft mit der Sehbewegung nachzuziehen. Ist auch das Bild reich ausgestattet worden, so findet der Blick doch in der Grundform Quadrat immer wieder Ruhe. Auf dieser Ordnung sind auch stark vereinfachte Darstellungen aufgebaut, wie etwa die Bilder zur &#8222;Manessischen Handschrift&#8220; oder die Bilder &#8222;Rouaults&#8220;. Unser Auge ist immer t\u00e4tig. Es ertr\u00e4gt den Anblick gro\u00dfer, leerer Fl\u00e4chen nicht lange, teilt sie auf und verbindet die entfernfesten Punkte miteinander. Es zeichnet allein schon die Mittellinien oder Grundformen ein, die so ihre nat\u00fcrliche Aufteilung erfahren. Die Hauptwirkungen des Bildes sollten auf solchen nat\u00fcrlichen Teilungslinien beruhen. Unser Auge geht dem Bildkreuz ebenso wie den Diagonalen nach und sucht unter anderem Halt in den Linien, die durch den goldenen Schnitt entstehen. Die beiden Mittellinien des Kreises wie des Quadrates bilden ein Kreuz. Dieses Bildkreuz enth\u00e4lt in sich einen der wichtigen Kontraste : Senkrecht und waagerecht. Es gibt jedem Bildaufbau Festigkeit; denn es betont deutlich die zwei Dimensionen der Fl\u00e4che: H\u00f6he und Breite. Die Vereinigung von senkrecht und waagerecht geht durch die ganze Natur. Von enormer Bedeutung auf die Architektur des Bildes ist der goldene Schnitt. Goerringer, der Erfinder des&#8220; Goldenen Zirkels&#8220; 1860 -1893 sagt von ihm: &#8220; Das ist die Sprache, in der die Jahrtausende zueinander reden&#8220;. Die h\u00f6chsten Sch\u00f6pfungen der Kunst verlieren niemals ihre Wirkung auf das Auge, weil in ihrer &#8222;Sch\u00f6nheit&#8220; immer dieses gro\u00dfe kosmische Gesetz wirksam ist, das, meist unbewu\u00dft, in jedem Menschen lebt, sein Sch\u00f6nheitsempfinden leitet und deshalb auch bis ins Alltagsleben hin\u00fcberspielt. Der ebenm\u00e4\u00dfig gebaute menschliche K\u00f6rper in allen seinen Teilen bis ins kleinste, das Tier und die Pflanze sind nach den Ma\u00dfen des goldenen Schnittes erschaffen. Der Mensch empfindet sich als Ma\u00df aller Dinge, deshalb befriedigt es ihn, wenn er seine eigenen Ma\u00dfe in der Umwelt wiederfindet, er nennt sie sch\u00f6n. Erst der &#8222;Vater der Geometrie&#8220; der Mathematiker Euklid fand um 300 vor unserer Zeitrechnung die mathematische Formel f\u00fcr dieses Ma\u00df und nannte sie den &#8222;Goldenen Schnitt&#8220;. Bild: Man teilt eine Linie so, da\u00df sich ihr kleinerer Teil zum gr\u00f6\u00dferen verh\u00e4lt, wie dieser zur ganzen Linie. Er l\u00e4\u00dft sich zwar leicht konstruieren, aber sein unergr\u00fcndliches Geheimnis ist, da\u00df er sich mit Zahlen nicht ausdr\u00fccken l\u00e4\u00dft. Die Ma\u00dfverh\u00e4ltnisse 2:3, 3:5, 5:8, 8:13, usw. deuten ihn nur an. Sie bleiben ungenau, weil er immer einen unendlichen Dezimalbruch, eine Irrationalzahl ergibt. Der K\u00fcnstler arbeitet bewu\u00dft und unbewu\u00dft mit ihm. Des \u00d6fteren zwar mu\u00df er ihn auf der Bildfl\u00e4che konstruieren, aber er hat ihn einfach in sich, gebiert ihn bewu\u00dft und unbewu\u00dft immer wieder aus sich heraus und l\u00e4\u00dft den Bildbetrachter immer von Neuem Sch\u00f6nheit, Ma\u00df und Ordnung, Harmonie erfahren. Geometrisch bebaute Bilder \u00fcbermitteln Empfindung gro\u00dfer Ruhe, Klarheit und Dauer. Die Impressionisten allerdings konzentrierten sich mehr und mehr auf die Farbe als das wirklich Sichtbare und lie\u00dfen nach und nach alle anderen Bildelemente als blo\u00dfe gedankliche Konstruktion weg. Sie verfielen der Wiedergabe momentaner Erscheinung. Da kam Paul Cezanne: &#8222;Ich will aus dem Impressionismus wieder eine solide Sache machen, wie die Kunst der Museen!&#8220; Das war der Augenblick der Besinnung auf die klassischen Ordnungen in der Kunst und ihrer Weiterentwicklung in die Modeme zugleich. Er bediente sich der neuen freien Farbe mit ihrer Eigenbewegung im Bilde, um aus ihr wieder festumrissene gro\u00dfe Formen und klaren Bildraum auf zubauen. In einem seiner Briefe versicherte Cezanne, da\u00df man die Natur auf die Grundformen von Kegel, Kugel und Zylinder zur\u00fcckf\u00fchren k\u00f6nne. Wenn man die Wirkung seiner Worte und ihre Auswirkung in seinen Arbeiten bedenkt, so ist es eine Ironie des Zufalls, da\u00df er mit keinem Worte den W\u00fcrfel, den Kubus erw\u00e4hnte. Denn nachdem sich Picasso und Braque der Auffassung Cezannes angeschlossen hatten, war deren dynamische Wirkung auf die Entwicklung der Malerei unausbleiblich. Der Kubismus wurde aus der Taufe gehoben, mit dem man die Bildr\u00e4ume mit Hilfe geometrischer Funktionen neu gliedern, das hei\u00dft neu geordnet darstellen konnte. Wenn der Begriff der Darstellung des Raumes im Bilde \u00f6fter auftauchte so haben wir das Hauptanliegen der Abendl\u00e4ndischen Kunst: Darstellung im Raum von einer zweidimensionalen Fl\u00e4che ber\u00fchrt. Im Laufe der Kunstgeschichte wurden unwahrscheinliche Anstrengungen gemacht, um dieses Problem zu l\u00f6sen. Denken Sie doch bitte nur an das Ringen um die Zentralperspektive in der Fr\u00fchrenaissance und die endg\u00fcltige Findung einer bildordnenden Logik in der Renaissance. Kaum gefunden und k\u00fcnstlerisch exakt demonstriert, entdeckt man, da\u00df sich Raum durch Ordnung der Hell-dunkel- Erscheinungen darstellen l\u00e4\u00dft. Ich m\u00f6chte nur auf Lionardos Sfumato und Rembrandts Hell-Dunkel hinweisen. Zuletzt erst ereignete sich, wie schon erw\u00e4hnt, jene Darstellung geordneten Raumes bei Cezanne.<br \/>\nNun, wenn schon in den alten und \u00e4ltesten Zeiten die ordnenden Kr\u00e4fte geometrischer Formen in Bildbau erkannt waren, so mu\u00dften sich nat\u00fcrlicherweise diese Kr\u00e4fte auch auf den Bildgegenstand im Einzelnen, sagen wir z.B., auf die Darstellung der menschlichen Figur auswirken. Ihre Erscheinung mu\u00dfte sich dem einmal vorhandenen Bildgesetz harmonisch einf\u00fcgen. F\u00fcr den Maler ist der Bildgegenstand in erster Linie organischer Teil der Bildarchitektur. (Picasso) Die fr\u00fchesten Untersuchungen von K\u00fcnstlern \u00fcber mathematische und geometrische Ordnungen in der menschlichen und tierischen Figur sind uns in dem Skizzenbuch des Villard d&#8217;Honnecourd aus der ersten H\u00e4lfte des 13. Jahrhunderts \u00fcberliefert. F\u00fcr ihn war z.B. der Hinterkopf des Menschen bilddarstellerisch eine reine Kreisform, um deren Mittelpunkt sich die Locken des Haares konzentrisch gruppierten. Diese Formfindung wurde f\u00fcr lange Zeit zum Kanon f\u00fcr die Darstellung der schlafenden J\u00fcnger am \u00d6lberg. Bekannt sind auch die vielen Versuche D\u00fcrers, die Ma\u00dfe des menschlichen K\u00f6rpers in geometische Schemata einzuf\u00fcgen, weil der goldene Schnitt immer wieder im K\u00f6rperbau des Menschen zu finden war, m\u00fc\u00dfte dies m\u00f6glich sein. D\u00fcrers Bem\u00fchungen sind im sogenannten Dresdener Skizzenbuch und in seiner &#8220; Unterweisung der Messung&#8220; niedergelegt. Von diesen Bem\u00fchungen allein her k\u00f6nnten wir D\u00fcrers Ausspruch verstehen: &#8222;Die Kunst ist in der Natur, wer sie da kann herausrei\u00dfen, der hat sie.&#8220; Und sein Nachsatz scheint dabei besonders wichtig.&#8220; Aber inwendig m\u00fc\u00dft ihr voller Form sein!&#8220; Eine billige, pedantische Anwendung ordnender Systeme bringt keine wirkliche Harmonie zustande und bleibt technische Zeichnung, wenn sie ohne unser Auge und ohne Gef\u00fchle gemacht wird. Bei Linienteilungen und Linien\u00fcberschneidungen mu\u00df das Gesetz der optischen T\u00e4uschung ber\u00fccksichtigt werden. Wie die Farbe, so ist auch die Linie relativ, das hei\u00dft, durch benachbarte Formen kann sie optisch einen anderen Wert annehmen. In solchen F\u00e4llen mu\u00df unser Auge korrigierend eingreifen. Jede k\u00fcnstlerische Arbeit richtet sich also auch gegen das Gesetz. Das aber kann man wiederum leichter umgehen, wenn man es kennt. Kalte Vielwisserei wird den K\u00fcnstler eher hemmen, als f\u00f6rdern. In der Abhandlung von deutscher Baukunst schreibt Goethe:&#8220; Je mehr sich die Seele erhebt zu dem Gef\u00fchl der Verh\u00e4ltnisse, die allein sch\u00f6n und von Ewigkeit sind, deren Hauptaccorde man beweisen, deren Geheimnisse aber man nur f\u00fchlen kann, desto gl\u00fccklicher ist der K\u00fcnstler&#8220;.<\/p>\n<\/div><div class=\"nav fusion-mobile-tab-nav\"><ul class=\"nav-tabs\" role=\"tablist\" aria-orientation=\"vertical\"><li  role=\"presentation\"><a class=\"tab-link\" data-toggle=\"tab\" role=\"tab\" aria-controls=\"tab-8477b9f650331886a14\" aria-selected=\"false\" tabindex=\"-1\" id=\"mobile-fusion-tab-8477b9f650331886a14\" href=\"#tab-8477b9f650331886a14\"><h4 class=\"fusion-tab-heading\">Karoline Mueller-Stahl<\/h4><\/a><\/li><\/ul><\/div><div class=\"tab-pane fade fusion-clearfix\" role=\"tabpanel\" tabindex=\"0\" aria-labelledby=\"fusion-tab-8477b9f650331886a14\" id=\"tab-8477b9f650331886a14\">\n<p>\u00dcber Erich Seidel<br \/>\nvon Karoline Mueller-Stahl<\/p>\n<p>Erich Seidel lebte von 1895 bis 1984, er hat somit fast das ganze 20. Jahrhundert \u2013 mit Ausnahme des Schl\u00fcsseljahres 1989 und des Endes des Kalten Krieges \u2013 bewu\u00dft miterlebt. Es ist von daher interessant zu fragen, welche Spuren seine Erlebnisse in seinem Werk hinterlassen haben. Welche Spuren gibt es, und wie sehen sie aus? Die gro\u00dfe Ruhe, die sein gesamtes Werk ausstrahlt und die auff\u00e4llige stilistische Einheitlichkeit haben mich vor dem Hintergrund dieser Frage zuerst erstaunt. Diesem Erstaunen werde ich nun ein wenig nachgehen.<br \/>\nErich Seidel ist 1895 in Plauen im Vogtland (Sachsen) geboren. Am Fuss des Erzgebirges, wenige Kilometer von der Grenze zur K.u.k.-Monarchie entfernt. In Plauen besuchte er die Volksschule, dann von 1910-1915 das Lehrerseminar, dort erhielt er den ersten Zeichenunterricht (\u00fcbrigens war dies wahrscheinlich der einzige \u00fcberhaupt; er war im Grunde Autodidakt) und entfaltete sein Interesse, seine Begabung und sein Talent am Zeichnen. Der Wunsch, die Kunstakademie in M\u00fcnchen zu besuchen, wurde durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges nicht erf\u00fcllt. 1915 wird er 20j\u00e4hrig an die Westfront geschickt, er fertigte zahlreiche Zeichnungen vom Krieg an, die leider nicht mehr existieren. Er erlitt eine Kriegsverletzung, die ihn zum Gl\u00fcck nicht lebensgef\u00e4hrlich verletzte, die aber viele Jahre sp\u00e4ter verhinderte, dass er im 2. Weltkrieg eingezogen wird.<br \/>\nMit 23 Jahren geht er nach Rabenau bei Dresden, wo er viele Jahre als Lehrer arbeitet und seit 1920 auch als freischaffender Maler, Bildhauer und Zeichner. Es finden erste Gruppenausstellungen statt und 1943 die erste Einzelausstellung in der Galerie K\u00fchl in Dresden. Sp\u00e4ter in den ideologisch verh\u00e4rteten Zeiten der DDR darf er zwar nicht mehr an der Schule unterrichten, er arbeitet aber als freischaffender Maler weiter \u2013 mit zunehmendem Erfolg.<br \/>\nEs entstehen wichtige Arbeiten: 1947\/1948 ein Altar-Triptychon f\u00fcr die evangelische Kirche in Auerbach im Erzgebirge. Bei einer Ausstellung in Freiberg 1947 wird der Kunsthistoriker Prof. Richard Hamann auf Seidels Werk aufmerksam, und er holte ihn 1950 als Lektor an die Humboldt-Universit\u00e4t holt. Dort unterrichtet Seidel \u201eZeichnen und Technologie der Bildenden Kunst\u201c und sp\u00e4ter sogar bei den Theaterwissenschaftlern. Die Frage, was gerade die Theaterwissenschaftler daran interessiert haben mag, Erich Seidel zu sich zu holen, ist von einigem Interesse f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis seiner Bilder.<br \/>\nSeidel hatte sich in Dresden viel in Theaterkreisen bewegt, seine Frau ist T\u00e4nzerin gewesen, sie hatte Unterricht bei Mary Wigman und beide standen in Kontakt mit Gret Palucca, eine der gro\u00dfen Ausdruckst\u00e4nzerinnen der damaligen Zeit. Es verwundert insofern kaum, dass es eine gro\u00dfe Anzahl von Bildern von Seidel gibt, die Theatermenschen zum Thema haben.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus gibt es jedoch auch jenseits des Biographischen auf der Ebene seiner Bilder, etwas, was f\u00fcr die Theaterwissenschaftler interessant gewesen sein kann. Seidel, der vor allem Menschenmaler war, hat die Figuren auf seinen Bildern stark \u201ein Szene\u201c gesetzt. Ob in den Portraits, den Aktzeichnungen, Bildern von Paaren oder Gruppen \u2013 und Seidel hat Hunderte von Bildern und vor allem von Zeichnungen angefertigt \u2013 immer haben wir es mit einem durchkomponierten Bildaufbau zu tun, in dem Seidel seine Figuren und die Konstellationen, in denen sie sich befinden, vorf\u00fchrt. Die Zeit seiner Arbeit an der Humboldt-Universit\u00e4t w\u00e4hrt jedoch nicht sehr lang. Er bekommt zunehmend politische Schwierigkeiten und auch Gutachten von Universit\u00e4ts-Kollegen k\u00f6nnen nicht verhindern, dass es zum Bruch kommt. Seidels Kunstauffassung l\u00e4sst sich mit der Doktrin des \u201esozialistischen Realismus\u201c nicht vereinen. Seine Figuren haben etwas auff\u00e4llig zeitloses, gesellschaftsloses, zumeist auch raumloses. Es sind undefinierte, in sich gekehrte Figuren, sie sind still, ernst, in Gedanken versunken, eher statisch als handelnd. Dieses Bild vom Menschen, das er in seinen Bildern entwickelt oder dem er dort auf die Spur kommen m\u00f6chte, st\u00f6\u00dft auf Widerstand. Seine subtile, feine, eher suchende Haltung, die sich bem\u00fcht herauszufinden, was es ist, was das Wesen des Menschen ausmacht, passt nicht zu einer Kunstauffassung, die klare erzieherische Funktionen erf\u00fcllen m\u00f6chte oder soll.<\/p>\n<p>Er wird nun zunehmend bedr\u00e4ngt, seinen Unterricht umzustellen, er wird bespitzelt, schliesslich erh\u00e4lt er keine Lehrauftr\u00e4ge mehr. 1956 zieht er daraus die Konsequenz, er l\u00e4sst sich nicht korrumpieren, und passt sich nicht f\u00fcr die letzten vier Jahre bis zu seiner Rentenzeit an, sondern er fl\u00fcchtet als 61j\u00e4hriger Mann in die Bundesrepublik. Mit nichts weiter als einer Aktentasche geht er 1956 zun\u00e4chst nach Oberhausen im Ruhrgebiet, wo er arbeitslos bleibt und einige schwere Jahre erlebt. Seine Familie folgt zwei Jahre darauf.<br \/>\n1960, als er an den Bodensee zieht, beginnt jedoch nochmals eine neue Phase in seinem Leben, es folgt eine Phase von fast zweieinhalb Jahrzehnten enormer Produktivit\u00e4t. Der gr\u00f6\u00dfte Teil seines Werkes entsteht erst jetzt. Er stellt aus in Salzburg, K\u00f6ln, \u00dcberlingen, Z\u00fcrich, Berlin, M\u00fcnchen, Konstanz und er unternimmt nun bis ins hohe Alter Reisen! So f\u00e4hrt er 1975 mit 80 Jahren auf die Lofoten, er besucht Schweden, h\u00e4lt sich an der Ostsee auf, reist nach S\u00fcd-Frankreich, Kreta, in die Alpen, ins Tessin. \u00dcberall entstehen Bilder, nun auch von Landschaften. In ihnen vermittelt sich in gewisser Weise etwas Vergleichbares wie in den Menschenbildern. Auch sie suchen den Ausdruck des Feierlichen, diesen Ernst, das In-sich-Versunkensein. Auch in ihnen dr\u00fcckt sich das Nachdenkliche und Grosse aus.<br \/>\nIch habe vorhin gesagt, dass mich vor dem Hintergrund seines bewegten Lebens die gro\u00dfe Einheitlichkeit seines Werkes erstaunt. Eine Einheitlichkeit, sowohl hinsichtlich des Stils, als auch in Bezug auf die Motive. Sie hat m\u00f6glicherweise auch etwas damit zu tun, dass Seidel Autodidakt gewesen ist, er hat keine Lehrer gehabt, keine Akademien besucht, die ihn gepr\u00e4gt h\u00e4tten. Aber man kann sie vor allem auch als eine gro\u00dfe Treue zu sich selbst verstehen. Seidel ist bei sich geblieben, bei den Fragen und Aufgaben, die ihn besch\u00e4ftigt haben. Er hat sich in Variationen immer wieder der Frage nach dem Wesen des Menschen, seiner Einsamkeit mit sich, und seinen Konstellationen zu anderen gestellt.<br \/>\nSeidels Bilder sind nicht ausserhalb von Politik entstanden. Aber sie haben sich dem starken und ideologischen Druck, den das 20. Jahrhundert der Kunst zugemutet hat, verweigert. So ist er im positiven Sinne unbeirrt geblieben von dem, was um ihn herum geschah, auch was in der Kunst f\u00fcr jeweilige politische Bekenntnisse erforderlich waren. Deshalb finde ich in den Bildern von Erich Seidel eine gro\u00dfe Unabh\u00e4ngigkeit \u2013 und eine starke Kontinuit\u00e4t. Sie sind ohne Apell und ohne eindeutige Botschaft. Eine Beziehung zwischen Bild und Betrachter entsteht nur dann, wenn dieser es will, wenn dieser sich einl\u00e4sst, wenn dieser den Bildern nachsp\u00fcrt. Seidels Bilder sind nicht laut, schreiend, sie zwingen sich dem Betrachter nicht auf. Vielmehr lassen sie ihn frei, sich auf sie einzulassen oder nicht.<br \/>\nDas Jahr 1989 hat Erich Seidel nicht mehr miterlebt. Ich nehme auch nicht an, dass er durch die politischen Ver\u00e4nderungen andere Bilder gemalt h\u00e4tte, aber er h\u00e4tte vielleicht anders auf dieses Jahrhundert und auch auf seine Bilder zur\u00fcckgeblickt.<\/p>\n<p>Er\u00f6ffnung der Sonderausstellung &#8222;Erich Seidel&#8220; im Wiehre-Bahnhof, Freiburg am 25.01.2004<\/p>\n<\/div><div class=\"nav fusion-mobile-tab-nav\"><ul class=\"nav-tabs\" role=\"tablist\" aria-orientation=\"vertical\"><li  role=\"presentation\"><a class=\"tab-link\" data-toggle=\"tab\" role=\"tab\" aria-controls=\"tab-d279c8fcf07027c7734\" aria-selected=\"false\" tabindex=\"-1\" id=\"mobile-fusion-tab-d279c8fcf07027c7734\" href=\"#tab-d279c8fcf07027c7734\"><h4 class=\"fusion-tab-heading\">Prof. Dr. Sumowski<\/h4><\/a><\/li><\/ul><\/div><div class=\"tab-pane fade fusion-clearfix\" role=\"tabpanel\" tabindex=\"0\" aria-labelledby=\"fusion-tab-d279c8fcf07027c7734\" id=\"tab-d279c8fcf07027c7734\">\n<p>Erich Seidels Oeuvre (mit eindrucksvollen Anf\u00e4ngen und subtilem Sp\u00e4twerk) beweist, dass sich Vollkommenes noch \u00fcberbieten l\u00e4sst. Seine Bilder und Zeichnungen ziehen den Betrachter an, weil sie Distanz zum Betrachter wahren. Ihre formale Noblesse schlie\u00dft naives Gefallen aus und wirkt zugleich durch stille Macht der Sch\u00f6nheit. Ihr Ausdruck bleibt diskret, h\u00e4lt sich zur\u00fcck und gewinnt dadurch den Reiz des R\u00e4tsels.<br \/>\nDiese Malerei, die sich als bildende Kunst zeigen muss und in ihrer Subjektivit\u00e4t f\u00fcr sich bleiben m\u00f6chte, verlangt meditierendes Sehen, Was Seidel<br \/>\ngeschaffen hat, eignet sich nicht f\u00fcr den Moment vor dem Bild. Seine Werke \u00f6ffnen sich nur messender und f\u00fchlender Geduld. Sie kann die Geistigkeit erfassen, die in Form und Farbe an einfachen Motiven entwickelt worden ist; sie kann Sinn und Tiefsinn im Visuellen erahnen.<br \/>\nSeidel ist (trotz vorz\u00fcglicher Landschaften und Stilleben) Menschenmaler. In seiner Figurenauswahl treten Gestalten auf, die sich dem b\u00fcrgerlichen Alltag versagen. T\u00e4nzer, Schauspieler, Dichter repr\u00e4sentieren die k\u00fcnstlerische Existenz. Theater- und Museumsbesuchern oder Personen im Park wird das Leben f\u00fcr Stunden zum Fest. Am meisten kommen undefinierte Figuren, einzeln, zu Paaren, in Gruppen, vor; in Wunschtracht gekleidet; ernst, feierlich, hochm\u00fctig im Ausdruck; in gedankenvoller Zust\u00e4ndigkeit nach innen gekehrt und damit zeitlos, gesellschaftslos.<\/p>\n<p>Diese wenigen Motive gen\u00fcgen Erich Seidel f\u00fcr eine F\u00fclle erfindungsreicher Bilder. Er versteht es, in formaler Virtuosit\u00e4t (wie der Musiker bei Variationen) das Gleiche immer wieder anders erscheinen zu lassen. Hauptgrund f\u00fcr die willentliche Beschr\u00e4nkung ist aber, dass er seine Gestalten nicht um ihretwillen bringt, sondern als fig\u00fcrliche Zeichen f\u00fcr Inhalte, die nur indirekt darstellbar sind: f\u00fcr Vielfalt der Innerlichkeit. Er will Symbole f\u00fcr poetische Gem\u00fctszust\u00e4nde. Dazu reicht ihm so zusagen ein Figuren-Alphabet.<br \/>\nSymbole wie bei Seidel ersch\u00f6pft man nicht mit der Wahrnehmung. Sehen muss, von Motiv, Farbe und Form gelenkt, in Empfindung \u00fcbergehen. Die Realit\u00e4t des Bildes erf\u00fcllt sich erst in seiner seelischen Wirkung.<br \/>\nWas f\u00fcr den K\u00fcnstler eindeutig war, wird wegen der privaten und offenen Symbolik f\u00fcr den ahnenden Betrachter vieldeutig. Das ist ein Mangel mit positivem Effekt, Denn das Bild gewinnt so an Anziehung; es fordert immer wieder zu sich heraus.<br \/>\nSeidel umdenkt und ummalt menschliche Zentralprobleme, Er fragt nach dem Ich und Welt, Einsamkeit, Stolz, Haltung der alltagsfernen Figuren, auch ihr Widerstand zum bedr\u00e4ngenden Bildgrund, lassen vermuten, dass hier ideale Maximen anerkannt werden: Standhaftigkeit gegen\u00fcber den Lebensm\u00e4chten; Freiheit statt kollektiver Zw\u00e4nge; Selbstbewahrung und Selbstbew\u00e4hrung.<\/p>\n<p>Seidel hat sich niemals nach Aktualit\u00e4ten gerichtet. Sein Stil ist v\u00f6llig individuell bedingt. Er hat sich, lange zwischen Malerei und Bildhauerei unentschieden, selbst zum K\u00fcnstler gebildet, der gro\u00df einsetzen konnte. Das Auerbacher Altar-Triptychon, Aufsehen erregend und nicht nur von Richard Hamann ger\u00fchmt, zeigt bereits seine Eigenart, nur mit barockem Einschlag und mit expressivem Pathos.<br \/>\nAuf dem Weg zu sich selbst, erst mit der Vision seiner Kunst, hat Seidel einige Meister der Vergangenheit beachtet, weniger auf Vorbilder als auf Ermutigungen aus, weniger auf Muster als auf Ma\u00dfst\u00e4be. Die Zusammenh\u00e4nge ehren ihn. Er war befugt, bei Leonardo, Rembrandt, Hans von Marees und bei den franz\u00f6sischen Symbolisten zu lernen.<br \/>\nErich Seidel will Poesie durch die forma perfecta vermitteln. Sie war bei den Metaphysikern Abglanz ewiger Sch\u00f6nheit im Irdischen; sp\u00e4ter wurde sie ins rein \u00c4sthetische verweltlicht; sie blieb das h\u00f6chste Ideal gestaltender K\u00fcnstler.<br \/>\nDie Form f\u00e4llt Seidel leicht, weil sein bildnerisches Denken sch\u00f6pferisch spielt.<br \/>\nEr gibt stets Fl\u00e4chen bezogene Kompositionen aus geometrischen Elementen, oft in k\u00fchnen Verh\u00e4ltnissen von F\u00fcllung und Leere. Dabei kommt er mit Wenigem aus; mit Kreis, Oval, Dreieck, Viereck, mit der Linie als Kurve oder Gerade.[\/one_half]\n[one_half_last]Gr\u00f6\u00dfenunterschieden, Kombinationen, Analogien, in Verdopplungen, Parallelen, Kontrasten wird das Einfache zur Vielfalt gebracht. Aber jede Starre fehlt. Denn Seidel kann das Monumentale durch feinste Abweichungen vom Regelhaften, durch zarteste St\u00f6rungen im Gef\u00fcge, durch umwertende Akzente erleichtern. Konstruktion soll wie Improvisation anmuten.<\/p>\n<p>Als Hauptmittel, bei der Form ein Zugleich von Festigkeit und Zartheit zu erreichen, dient die Farbe. Seidel ist ein hervorragender Kolorist. Das bezeugen schon seine dekorativen Bilder in der Erlesenheit der Peinture. Doch voll sichtbar wird sein Rang, wenn er die Farbe in ein Helldunkel versetzt, in dem sie sich zur Ahnung ihrer selbst aufhebt und das Monochrome behutsam t\u00f6nt. Das Helldunkel kann seine Valeurs durch eingesprengte kostbare Pigmente veredeln, etwa durch knapp gehaltenes Blau vor braunen T\u00f6nen oder durch Spuren von Rot am Rand eines Schattens. Dieses ausdrucksvolle Helldunkel \u00fcber architekturaler Ordnung ergibt geheimnisvolle Genauigkeit wie beim Gedicht.<br \/>\nDie Malweise Seidels ist auf seine Stilideale abgestimmt. Helldunkeltransparenz entsteht bei leichter Farbmaterialit\u00e4t. F\u00fcr die stabilisierenden Teile der Komposition gen\u00fcgt Farbschmelz, der den Grund zu decken vermag. Alles, was die Form verr\u00e4tselt, ist mit stark verd\u00fcnnter Farbe aquarellm\u00e4\u00dfig gemalt. Dabei k\u00f6nnen Lasuren im \u00dcbereinander der Schichten mehrdeutige F\u00e4rbungen ergeben oder optische Mischungen, die auf der Palette nicht zu erzielen w\u00e4ren.<br \/>\nMit dieser Lasurtechnik gelingen Seidel D\u00e4mmerungs- und Geheimnisph\u00e4nomene seiner Bilder. H\u00e4ufig erscheint die Form in einem Raum, der zugleich Fl\u00e4che ist. Auch Zust\u00e4nde zwischen Sein und Nichtsein werden fingiert. Weiterhin gibt es Andeutungen gerade bis zum Suggestionsverm\u00f6gen des Abstrakten, bis zu schwierigen Zeichen f\u00fcr Figur und Objekt.<br \/>\nSeidels frei und locker wirkende Malerei, bis ins letzte ausgewogen, Produkt \u00e4sthetischer Rechnung, entsteht in langsamen Prozessen. Beim Vortrag geht es um bedachte Wechsel von Fl\u00e4chen, Flecken, Tupfen, Punkten, Linien; auch um Richtungen des Pinsels, um Lebhaftigkeit und Ruhe der Farbschrift, um Dichte und Transparenz. Gleichzeitig sind Farbst\u00e4rken, Farbmengen und Farbverteilungen in Kontrasten und Harmonien auszuw\u00e4gen. Ergebnis der komplexen Arbeit ist stets eine Bildstruktur von ausdrucksf\u00e4higer Sch\u00f6nheit. Seidel fasst seine Sujets au\u00dfergew\u00f6hnlich auf. Hervorzuheben sind die Figurengruppen, bei denen das Momentane (etwa bei Tanz oder Promenade) stillzustehen scheint. Alles Anekdotische verliert sich im blo\u00dfen Beieinander von Gestalten. Trotz der Genremotive herrscht die Feierlichkeit sakraler Szenen.<br \/>\nDie Figuren Seidels sind Kunstfiguren. Sie vertreten einen einzigen Typus, als sch\u00f6n geformte Gesch\u00f6pfe aus Geometrie und Leben, oft steil proportioniert, oft schulterlos. Ihre Haltungen und Gesten folgen t\u00e4nzerischen Normen. \u00c4u\u00dfere Aktivit\u00e4t wird durch Stimmung ersetzt.<br \/>\nAm originellsten und am beachtlichsten sind Seidels Bilder mit lyrischen Motivverh\u00e4ltnissen. Sein Hauptwerk ist ihm gegl\u00fcckt, als er einen Dichter und einen Bl\u00fctenstrau\u00df als gleichrangige Partner gegeneinander und zueinander gestellt hat. Praktische Vernunft wird zugunsten der Poesie aufgehoben: Schweigen, in dem Worte zu Versen transzendieren, und Sprachlosigkeit, die sich in lebendigen Farben und Formen Hieroglyphen ihrer Botschaft finden.<br \/>\nDass Seidels Kunst popul\u00e4r wird, ist wegen ihrer Individualit\u00e4t und wegen ihrer Idealit\u00e4t nicht zu erwarten. Ihre formale Perfektion ist nicht leicht zug\u00e4nglich, zumal sie im Bereich des Subtilen bleibt und Werte bewahrt, die zur Zeit verworfen werden. Auch das Menschenbild, das sie, klassischer \u00dcberlieferung folgend, zeichnet, hat heutzutage wenig Chancen, weil die Gesellschaft ins Kollektivbewusstsein zur\u00fcckf\u00e4llt und weil Idole die Ideale verdr\u00e4ngen.<br \/>\nSeidel ist sich als Einzelg\u00e4nger unbeirrt treu geblieben, von Freunden und Kennern begleitet und bewundert. Der Autor dieser Zeilen geh\u00f6rt seit f\u00fcnfundvierzig Jahren zu ihnen.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":5,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-4034","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.erich-seidel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4034","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.erich-seidel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.erich-seidel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.erich-seidel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.erich-seidel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4034"}],"version-history":[{"count":31,"href":"https:\/\/www.erich-seidel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4034\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5739,"href":"https:\/\/www.erich-seidel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4034\/revisions\/5739"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.erich-seidel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4034"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}